Wir in Rydultovy
Schüleraustausch 2009


Montag, 05.10.2009


Endlich war es so weit. Der Austausch mit den polnischen Schülern des Gymnasium Nr.1 in Rydultowy ging in die 2. Runde. Am 05.10.2009 trafen wir uns um 14.20 Uhr, nachdem einige nach einer Französischarbeit noch völlig erschöpft waren, an der Schule. Mit zwei Zwischenstopps in Lembeck und Klein Reken ging es ab zum Flughafen. Die Aufregung stand allen ins Gesicht geschrieben und viele kämpften mit der Angst vor ihrem ersten Flug und waren gespannt, wie sie bei ihren polnischen Gastgebern aufgenommen werden würden. Pünktlich um 17.40 Uhr ging es für uns hoch hinauf. Spätestens jetzt konnten auch die letzten ihre Aufregung nicht mehr zügeln und waren total “hibbelig”. Bis auf ein paar Probleme mit dem Druckausgleich verlief unser Flug sehr angenehm und wir landeten ca. 1 ½ Stunden später sicher am Flughafen in Kattowitz. Bei der Kofferannahme gab es wieder viel Aufregung, als einige Koffer lange auf sich warten ließen. Doch als dann endlich jeder seinen Koffer hatte, ging es für uns mit dem Bus weiter nach Rydultowy. Wir waren alle nach diesem langen Tag schon sehr erschöpft, aber auch gespannt auf das, was uns erwartete. Nach etwa zwei Stunden kamen wir dann an der Schule an und wurden herzlich von unseren polnischen Freunden begrüßt und die Anspannung war wie weggeblasen. Aufgrund großen Hungers und Energiebedarfs nahmen wir nun ein sehr nett zubereitetes Abendessen zu uns: Brötchen und Tee! Nach dem gemütlichen Zusammensitzen verabschiedeten wir uns von unseren deutschen Freunden und es ging in die Familien. Dort lernten wir völlig neue Kulturen kennen: Von kleinen spärlich eingerichteten Plattenbauwohnungen reichte es bis zu riesigen luxuriösen Häusern. Es war ein sehr anstrengender Tag, aber wir alle waren froh unsere polnischen Freunde wiederzutreffen.


Dienstag, 06.10.2009


Nach einer mehr oder weniger langen Nacht in den Familien trafen wir uns um 8.30 Uhr an der Schule. Von dort aus liefen wir gemeinsam zur Kirche, wo uns ein Pastor herzlich in Rydultowy begrüßte und etwas über den Ort erzählte. Seine herzliche Einladung zu Kaffee und Kuchen ließen wir uns nicht entgehen. Der Kuchen, eine polnische Spezialität, sagte den meisten Deutschen nicht besonders zu. Im Anschluss wurde uns die Schule gezeigt und wir hatten Gelegenheit einige Klassen anzuschauen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es zurück in die Familien, um uns frisch zu machen. Dann trafen wir uns zum Bowling in Rybnik. Hierbei lernten wir unsere Gastgeber näher kennen und hatten viel Spaß. Danach hatten wir Freizeit: Die Gestaltung blieb unseren Gastgebern überlassen. Einige nutzten die Zeit zum Schoppen und andere gingen z.B. ins Kino. Später ging es zurück in die polnischen Familien, um Kraft für den nächsten Tag zu tanken. Es war ein schöner Tag, den wir mit unseren polnischen Freunden zusammen sehr genossen haben.


Mittwoch, 07.10.2009


Am Mittwoch waren wir in Auschwitz, um das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu besichtigen. Nach einer zweistündigen Fahrt haben wir zuerst einen Film über die Befreiung des Konzentrationslagers gesehen. Nach dem Film wurden die deutschen Schüler von den polnischen Schülern getrennt, um sich die Führung in der jeweiligen Muttersprache anzuhören. Danach begann unsere Führung über das Gelände. Das Gelände des Konzentrationslager Auschwitz I ist aufgebaut wie eine kleine Stadt, die von Zäunen umgeben ist. Das Konzentrationslagers Auschwitz I war das Stammlager unter den zwei anderen Lagern (Auschwitz II-Birkenau, Auschwitz III-Monowitz). Außerdem war es das größte deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager. Wenn man dieses Lager betritt, sieht man über dem Eingang einen Schriftzug, der lautet: „Arbeit macht frei“. Dieser Spruch sollte nur als Verlockung dienen. Die NS-Leute versicherten den Juden und anderen Gefangenen, dass dort ein neues Leben für sie beginnen sollte. Wir sind durch verschiedene Räume und Gebäude gegangen. In jedem Raum, den wir betreten haben, befanden sich andere schlimme Dinge. Doch es gab bestimmte Räume, die wir am schlimmsten fanden. Zum Beispiel: Man betritt einen Raum mit einer Vitrine, in der sich eine Tonne echter menschlicher Haare befindet. Erst jetzt wurde uns die Zahl von 1.000.000 Toten, die man oft hört, richtig bewusst. Erst jetzt konnten wir uns diese Zahl vorstellen. Doch am schlimmsten war die Vorstellung, dass diese Haare zu Teppichen und anderen Dingen des täglichen Lebens verarbeitet wurden. Stellt man sich einmal vor man hat einen Teppich aus Haaren, von Menschen, die sterben sollten, nur weil sie anders waren, auf dem Boden. Der zweite Raum war voller Schuhe: Kinderschuhe! Schuhe von Erwachsenen! Das zeigte nochmals anschaulich die Zahl der Morde, die dort begangen wurden. Ein weiterer Raum war voller Koffer: Koffer, auf denen die Namen, das Geburtsjahr und das Jahr des Todes steht. Koffer von Kindern, die in einem Alter gestorben sind, wo ihr Leben erst eigentlich richtig begonnen hätte. Ganz oben stand ein Koffer von einem Mädchen, das gerade einmal 8 Jahre alt geworden war. Dann haben wir uns auch noch die Todesmauer angeschaut. Gerade hier fanden wir es besonders schlimm. Wir versuchten uns in die Rolle eines Gefangenen zu versetzen, der dem Tod ins Auge blickte, der wusste, dass er gleich sterben würde ohne einen Grund dafür zu erkennen: Anderssein als Begründung – für uns nicht nachzuvollziehen! Vor dieser Wand standen viele Blumen und Kerzen. Auch wir haben dort zwei Kerzen hingestellt. Zuletzt sind wir in die Gaskammer gegangen: Der schlimmste Ort! In dieser einen Gaskammer konnten mehr als 100 Personen gleichzeitig ermordet werden. Das Gas, das sie verwendeten, wurde durch eine Öffnung in der Decke eingeleitet. Danach betraten wir direkt das Krematorium. Dort wurden in einem Ofen bis zu drei Leichen gleichzeitig verbrannt. In 24 Stunden konnten hier bis zu 340 Leichen verbrannt werden! Zum Abschluss der Führung fuhren wir nach Auschwitz II-Birkenau. Dieses Lager bestand hauptsächlich aus Ruinen. Wenn man dieses Lager betritt, sieht man die Rampe. Hier wurden von den SS- Ärzten die Selektionen durchgeführt. Bei den Selektionen wurden die Arbeitsfähigen von den Arbeitsunfähigen getrennt. Die Arbeitsunfähigen wurden direkt in die Gaskammern geschickt. Auch wenn von diesem Lager nicht viel übrig ist, kann man sich gut vorstellen, welche grausamen Taten hier begangen wurden. Wir schauten uns zwei Baracken an. Die eine war eine Schlafbaracke mit hölzernen Pritschen, bestehend aus zwei Etagen. Auf jeder Etage haben bis zu 5 Personen gelegen. Es war unter aller Würde, die Menschen so leben zu lassen. Natürlich hatten die Menschen nach der Arbeit keine Kraft mehr und standen auch nicht auf, um auf die Toilette zu gehen. Sie ließen es einfach laufen. In dieser Kleidung, in der sie schliefen, mussten sie auch arbeiten. Es konnte noch so kalt sein. Die andere Baracke war das Bad. Man kann es nicht wirklich Bad nennen. Die Toiletten waren aus Beton mit einem einfachen Loch in der Mitte. Es gab Waschbecken und sonst nichts. Sie hatten nicht viel Zeit diese Baracke zu nutzen. Die liebste Arbeit der Gefangenen war es, die Toilettenräume sauber zu machen, da diese Arbeit drinnen, geschützt vor Kälte und Regen, stattfand. Am Ende der Führung fuhren wir wieder zurück nach Auschwitz I. Wir bekamen noch ein Mittagessen und dann hieß es für uns nach diesem harten Tag zurück nach Rydultowy.

Donnerstag, 08.10.2009


Noch nicht ganz ausgeschlafen trafen wir uns auch heute wieder um 8:15 Uhr an der Schule. Mit dem Gestalten von vorgegebenen Bäumen, starteten wir voller Elan in den Tag. Aufgeteilt in 3er-Gruppen bekamen wir die Aufgabe, entweder den Teil eines Baumes zum Thema Frühling oder zum Thema Herbst zu malen, so dass hinterher zwei große Bilder entstanden. Im Anschluss daran machten wir uns auf den Weg zum Rathaus, wo wir von der Bürgermeisterin und ihrem Stellvertreter herzlich aufgenommen wurden. Für uns deutsche Schüler war eine Präsentation über Rydultowy vorbereitet worden. Diese sahen wir uns, gespannt auf die vielen Sehenswürdigkeiten der Umgebung, an. Außerdem durften wir sogenannte "kołoczyki", eine typische Blätterteig-Spezialität in Polen, probieren. Nachdem dann auch alle Geschenke (wie z.B. ein gigantischer Blumenstrauß für unsere Betreuerin Barbara) überreicht worden waren, machten wir uns auf den Rückweg zur Schule. Dort erwartete uns das Mittagessen: Rouladen, Knödel und Rotkohl. Nun hatten wir zwei Stunden Zeit, um mit unserem Austauschschüler zusammen etwas für den Nachmittag an der Schule zu backen. Während wir dann unsere Leckereien aßen, sahen wir uns Präsentationen über verschiedene Feiertage und Traditionen in Polen und Deutschland an. Ab 17:30 Uhr hatten wir freie Zeit, die wir mit unseren polnischen Austauschschülern verbrachten.


Freitag, 09.10.2009


Am Freitag trafen wie uns um 8 Uhr. Wir fuhren 2 ½ Stunden zum Museum der Brauerei Zywiec in Zywier. Wir erfuhren, dass diese Brauerei für die Firma „Heineken“ produziert - allerdings nur für Polen. Die Brauerei liefert Bier in Dosen und Flaschen. Es werden 12 Millionen Liter pro Jahr produziert. In dem Betrieb arbeiten ca. 300 Mitarbeiter und 450 Fachangestellte, von denen 50 Saisonarbeiter sind. Der Besuch in diesem Museum war sehr interessant, weil die Führung sehr gut gestaltet und abwechslungsreich war. Wir reisten mit der Zeitmaschine, kegelten in einer nachgebildeten Kneipe, konnten den Weg einer Flasche miterleben und hatten den kniffeligen Weg durch ein Spiegellabyrinth zu finden.  Danach fuhren wir mit dem Bus weiter zu einem Restaurant, in dem wir alle ein üppiges Essen verdrückten. Anschließend fuhren wir in ein Museum für Klöppelarbeiten. Eine ältere Dame stellte uns verschiedene, teilweise auch sehr alte und wertvolle Werke vor. Dann machten wir uns auf den Weg in ein sehr altes Haus. Dort erklärte uns eine Frau, wie man früher in den Bergen lebte, und sie zeigte uns verschiedene Instrumente, auf denen man früher spielte. Bei unserem nächsten Stopp hielten wir an einem Sessellift, mit dem wir dann den Berg hoch und wieder runterfuhren und die Aussicht genossen. Dann gingen wir in ein Restaurant, in dem wir Kuchen und Tee bekamen. Einige bestellten sich noch eine Pommes oder ein anderes Getränk dazu. Auf dem Rückweg fuhren wir am Anwesen des polnischen Präsidenten vorbei: Der Anblick dieses gigantischen Geländes faszinierte uns sehr. Wir machten auch noch einen kurzen Stopp an der Olympiaschanze – hier trainiert der Skispringer Adam Malic. Für viele war das ein besonderes Erlebnis, da sie so eine Skischanze noch nie gesehen hatten. Nach der Rückfahrt gingen wir zurück in unsere Familien und ließen den Abend in Ruhe ausklingen.


Samstag, 10.10.2009


Den Samstagmorgen verbrachten wir mit unseren Austauschpartnern. Verschiedene Freizeitaktivitäten, z.B. Plätzchen backen, Kino, Schwimmbad oder Ausschlafen standen auf dem Programm. Da wir um 15:30 Uhr an der Schule sein mussten, machten wir uns alle rechtzeitig fertig. Dort angekommen nahmen wir am Schulfest teil. Durch das regnerische Wetter konnten einige Schüler ihren sportlichen Aktivitäten nicht durchführen. In der Schule gab es viele verschiedene Stände mit typisch polnischen Spezialitäten oder selbstgemachten Ohrringen. In der schuleigenen Sporthalle gab es verschiedene Darbietungen, wie z.B. ein Stummtheater, einen Karaokewettbewerb zwischen den deutschen und den polnischen Schülern oder auch Ballett. Zur gleichen Zeit fand draußen eine Fußballspiel zwischen deutschen und polnischen Schülern statt. Durch tatkräftige Unterstützung der deutschen Fans gewannen unsere „Jungs“ mit einem Endergebnis von 5:3. Mit einer Abschiedsfeier gemeinsam mit unseren Gastfamilien und den Lehren ließen wir den Abend ausklingen. Zur Verabschiedung gaben unsere Gastgeber jedem von uns noch ein Abschiedsgeschenk: Eine schöne CD mit Fotos unseres Austausches, einen selbstgemachten Schlüsselanhänger und ein paar Leckereien.


Sonntag, 11.10.2009


Am Sonntag trafen wir uns in aller Frühe an der Schule. Das Gepäck war schnell im Bus verstaut und wir verabschiedeten uns von unserer polnischen Gastfamilien. Unsere Austauschschüler begleiteten uns zum Flughafen. Dort gab es einen tränenreichen Abschied, denn wir alle werden diesen Austausch in guter Erinnerung behalten. Wir stiegen ins Flugzeug und freuten uns schon sehr auf unsere Familien und unser eigenes Bett.




Berichte wurden verfasst von:
Anna Schwering, 10b
Linda Winkelmann, 10b
Aileen Brändel, 10b
Sarah Heltweg, 10b
Nina Soggeberg, 10b
Verena Bußmann, 10b
Lars Fritzsche, 10b
Nils Thiehoff, 10c
Johanna Tauer, 10c
Carolin Rohring, 10c

 

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