Unsere Namenspatronin, Elisabeth von Thüringen

elisabeth von thüringenwurde 1207 als zweites Kind des intrigenhaften ungarischen Königs Andreas II. (1205-1235) und seiner Gemahlin Gertrud (1213 ermordet) auf Burg Sáros Patak in Pressburg geboren. Bereits 1208 wurde Elisabeth dem Sohn des thüringischen Landgrafen Hermann und seiner Frau Sophie, Ludwig IV., aus politischen Gründen zur Ehe versprochen. So kam Elisabeth bereits vierjährig nach Eisenach, um dort von der Landgräfin Sophie gemeinsam mit deren Sohn Ludwig erzogen zu werden.
Schon früh übt Elisabeth, sensibel für die Grundelemente der damaligen Spiritualität, kindlichen Verzicht, spielt Armut und gibt sich gern mit Rangniederen ab, ein Verhalten, das von ihrer standesbewussten, in der hochhöfischen Kultur und Tradition beheimateten zukünftigen Schwiegermutter als unstandesgemäß und inakzeptabel getadelt und abgelehnt wird.

Auch nach ihrer Heirat 1221 bricht Elisabeth mit vielen höfischen Traditionen und zieht sich zusätzlich zu den Vorurteilen und Vorbehalten, die ihr als „Ausländerin“ entgegengebracht werden, den Zorn ihrer Umgebung am Eisenacher Hof zu, als sie sich verstärkt den Armen und Kranken zuwendet. Ihr Gemahl Ludwig, mit dem sie nach der historischen Überlieferung eine gute und harmonische Ehe führt, aus der drei Kinder geboren werden, bringt ihrem aus tiefer Religiosität begründeten barmherzigen Handeln stets großes Verständnis entgegen und gibt ihr, entgegen allen gegen sie gerichteten höfischen Intrigen, Schutz und Halt. 1223 gründen sie in Gotha gemeinsam ein erstes Spital. Nach 1225, als sie durch den Franziskanerkonvent am Fuße der Wartburg die Glaubens- und Armutsideale eines Franz von Assisi kennengelernt hat, genügt es ihr nicht mehr, aus ihrer Rolle als Landesherrin, die sich der Fürsorge ihrer Untertanen verpflichtet fühlt, den armen, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen, obwohl allein dies eine für die herrschende Schicht der damaligen Zeit völlig unübliche und deshalb unverstandene, ja abgelehnte Verhaltensweise ist, die gefährlich erscheint, da sie die eigene Machtposition in Frage stellt, nach der die Armen, Abhängigen, Notleidenden für den Wohlstand der Herrschenden und Grundbesitzenden hart zu arbeiten und ihre Abgaben trotz aller Widrigkeiten zu entrichten haben. Nicht nur, dass Elisabeth bei Hungersnöten den notleidenden Menschen mit Getreide hilft, sie gibt ihnen auch Kleidung oder Gerät, um ihre Ernte einbringen zu können, gelegentlich spendet sie auch Geld aus ihrem fürstlichen Haushalt, damit die Menschen ihre Schulden gegenüber Dritten begleichen können. Als sie nun aber verstärkt dazu übergeht, sich persönlich um die Schwerstkranken, die von eitrigen Leprageschwüren im Gesicht entstellten Menschen zu kümmern, auch den niederen Ständen vorbehaltene Handarbeiten auszuführen, wie Schmutz in den stinkenden Hütten der Schwerkranken wegzuwaschen, Totenkleider zu nähen oder gar Wolle zu spinnen, sehen sie und ihr Mann sich schweren Vorwürfen ihrer adligen Familie ausgesetzt.

Als Ludwig im September 1227 auf einem Kreuzzug ins „Heilige Land“ an einer schweren Krankheit stirbt, kann Elisabeth ihr Verständnis von der Nachfolge Christi nicht länger auf der Wartburg leben. Von Ihrem Schwager vor die Wahl gestellt, ihr unstandesgemäßes Handeln und „Verschwenden“ der Güter an die Armen einzustellen oder die Wartburg zu verlassen, entscheidet sie sich für die zweite Alternative. Es folgen harte Monate bitterer Armut mit ihren kleinen Kindern, doch will sie sich auch nicht den Lebensunterhalt von ihrem Schwager, dem neuen Herrn auf der Wartburg, zahlen lassen, weil sie nicht von der Besteuerung und Ausbeutung der Armen, wie bei den Fürsten üblich, leben will. Auch will sie nicht zu ihren ungarischen Verwandten zurückkehren.

Vielmehr folgt sie ihrem Beichtvater und geistlichen Berater am Eisenacher Hof (seit 1226), Magister Konrad von Marburg, der sie mit der Armutsbewegung bekannt gemacht hat, nach Marburg. Dort gründet sie ein Spital, in dem sie als niedere Magd unter Mägden bis zur Selbstaufgabe im Dienste der Ärmsten und Schwerstkranken arbeitet. Sie tut dies in der Überzeugung einer radikalen Nachfolge Christi. Dieser Entscheidung, „allem Glanz der Welt“, ihren Untergebenen, selbst ihren Kindern zu entsagen, bleibt sie bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 1231 treu. Bereits am 27. Mai 1235 wird sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

Elisabeth war nicht nur radikal christlich, sie war auch überaus menschlich, gar nicht machtbewusst, vielmehr bescheiden und bereit, sich in den Dienst anderer, insbesondere der wegen Armut und Krankheit besonders Hilfsbedürftigen zu stellen. „Sie löste sich aus ihrer hocharistokratischen Welt, der Welt der Fürsten und des Rittertums, das als seine Tugenden Ehre, Treue, Minne und „maze“ (Mäßigung und Bescheidenheit) besang und, nicht zuletzt bei den Kreuzzügen demonstrierte, wie sehr Machtgier, Hass und Treulosigkeit diese Welt mitbestimmten.
“ Elisabeths humanitärer Einsatz, der gesellschaftliche Konventionen ihres Glaubens und der Menschen willen überwand, sollte uns Vorbild für soziales Handeln zugunsten der Schwächsten und Hilfsbedürftigsten unserer Gesellschaft sein. So fühlt sich die Schule sozialen Projekten, wie wir sie in größerem Stil in den „Sponsorenläufen" seit dem Jahr 2000 zugunsten eines Hilfsprojekts für die notleidende Bevölkerung Perus durchgeführt haben, besonders verpflichtet.

©Elisabeth-von-Thüringen-Realschule, Realschule der Gemeinde Reken
mit bilingualem Zweig Englisch und ausgezeichnet als Europaschule
Wilhelmstr. 21 • 48734 Reken Tel.: 02864 94272 • Fax.: 02
864 94273• e-mail:rs-reken@t-online.de • www.rs-reken.de